LILLIAN AXE

Platz 114

LILLIAN AXE

Love + War
1989
545 Punkte
My Score 95%
Community Score 0.0%

Reviewed by:

1. All’s Fair in Love and War 5:58
2. She Likes it on Top 3:55
3. Diana 4:46
4. Down on You 4:24
5. The World Stopped Turning 5:00
6. Ghost of Winter 6:18
7. My Number 3:32
8. Show a Little Love 4:36
9. Fool’s Paradise 4:41
10. Letters in the Rain 4:24

Laufzeit: 47:34

Ron Taylor lead vocals
Steve Blaze lead guitar, backing vocals, keyboards
Jon Ster rhythm guitar, backing vocals, keyboards
Rob Stratton bass guitar
Danny King drums

Mit dem Debüt-Album konnte LILLIAN AXE 1988 nicht sonderlich viel Staub aufwirbeln, da es kaum aus der Masse ähnlicher Hair-Metal-Bands wie RATT, BLACK ´N BLUE, KEEL oder WHITE LION herausragte. Dafür gelang der Band mit dem Nachfolger Love + War ein absoluter Klassiker. Die Plattenfirma MCA schickte die Band mit dem renommierten Produzenten Tony Platt ins Studio. Dieser war bekanntlich die rechte Hand von Mutt Lange bei den AC/DC-Produktionen von Highway To Hell und Back In Black sowie 4 von FOREIGNER. Außerdem war er als Produzent oder Engineer bei Platten von Gary Moore, THE CULT, MOTÖRHEAD, IRON MAIDEN, CHEAP TRICK, KROKUS oder MARILLION in Erscheinung getreten. Platt verpasst den Jungs einen typischen 80er Sound, mit viel Hall und Wumms auf den Drums, viel Transparenz, der leider aber etwas bassarm ausfällt. Außerdem wurde für ‚Show A Little Love‘ von MCA ein Video spendiert, das bei MTV aber sang- und klanglos unterging. Damit erschöpften sich aber die Maßnahmen von MCA. Promotion? Komplette Fehlanzeige! Distribution? Eine einzige Katastrophe! Somit hatte die Band ein hervorragendes Album eingespielt, das aber leider nie die Beachtung erhielt, die es eigentlich verdient hatte.

Vor ein paar Jahren hätte ich noch volle 100 Punkte aufgerufen, aber nach zig Durchläufen in letzter Zeit ist mir doch aufgefallen, dass ein paar Lieder dabei sind, die nicht ganz so gut gealtert sind und eher Standard-Schwanzrock mit absolut peinlichen Texten zum Fremdschämen bieten. Wobei man sich schon beim Anblick der Schönheit auf dem Cover (Sharon Case) denken kann, dass Frauen in den Texten eine nicht ganz unerhebliche Rolle spielen.

Natürlich ist der Opener ‚All’s Fair In Love And War‘ die alles überstrahlende Hymne, die man für den Rest seines Lebens nicht mehr vergisst, wenn man ein Faible für diese Art von Musik hat. Schon wenn das Intro losgroovt, stellen sich bei mir die Haare auf und die Gänsehaut ist mir gewiss. Der Refrain ist dann kaum noch zu steigern und man bekommt ihn schwer aus dem Ohr. Und wie toppt man das? Man singt ihn noch eine Spur höher, bis er sich auch in der letzten Hirnwindung festgesetzt hat. Mit dem Lied ist dem Bandchef Stevie Blaze ein Geniestreich gelungen, der einen Ehrenplatz unter meinen absoluten Lieblingsliedern für alle Zeiten sicher hat.

‚She Likes It On Top‘ ist dann eines der Lieder, das mir heute nicht mehr ganz so gut reinläuft. Ebenso ‚Down On You‘ und ‚My Number‘ (Coverversion eines Liedes der Engländer GIRL, das mir aber im Original von 1980 nicht bekannt ist), die eher Genre-Standard-Ware bieten, ohne natürlich richtig schlecht zu sein. Wesentlich gefälliger sind die extrem eingängigen ‚Diana‘ und ‚Show A Little Love‘, die perfekte Ohrwürmer sind.

Weitere Highlights sind die eher ruhig gehaltenen ‚The World Stopped Turning‘ und ‚Ghost Of Winter‘, die beide wesentlich erwachsener und sehr atmosphärisch mit feinem Spannungsbogen daherkommen. Welche Aushilfe aber die recht ähnlichen Lieder auf der Platte direkt hintereinander platziert hat, wüsste ich mal gerne. Egal, gerade ‚The World Stopped Turning‘ mit seinem überirdisch genialen Chorus steht dem Opener eigentlich kaum nach. Hier kommt die tolle Arbeit von Gitarrist Blaze richtig gut zur Geltung. Das Lied ist so was wie der Bruder im Geiste von ‚Lady Of The Valley‘ von WHITE LION. ‚Ghost Of Winter‘ ist düsterer gehalten und wechselt zwischen extrem ruhigen Teilen und eher metallischen Ausbrüchen im Refrain. Mit über sechs Minuten kann man sich da richtig austoben und hier sind sogar mal ein paar Keyboard-Klänge im Hintergrund zu vernehmen.

Das tierisch groovende ‚Fool’s Paradise‘ ist erneut eine tolle Hymne mit mächtigem Refrain und krawalligen Riffs. Blaze gibt an der Gitarre wieder alles und hier klingt im längeren Instrumentalteil sogar mal etwas IRON MAIDEN durch. Beim abschließenden ‚Letters In The Rain‘ wird dann sogar dem melodischen US-Metal und ganz speziell FIFTH ANGEL Tribut gezollt. Die Leads sind erstklassig und markant und ziehen sich hier durch das komplette Lied. Wohl bis dahin das härteste Lied der Band und für mich einer der Höhepunkte auf dem Album.

Wer bis hierhin durchgehalten hat, dem wird aufgefallen sein, dass hier öfters das Wort „Metal“ aufgetaucht ist, aber nie „AOR“. Ehrlich gesagt ist es mir ein völliges Rätsel, was die Scheibe überhaupt in der Liste zu suchen hat. Natürlich ist das alles hochmelodisch, aber meiner Meinung nach hat das mit AOR absolut null zu tun. Mal ganz abgesehen davon ist das natürlich eine tolle Scheibe, die weit vor den meisten Genre-Kollegen einzuordnen ist und damals leider zu Unrecht  kommerziell floppte. Vielleicht liegt es auch an der Herkunft der Band (New Orleans), dass man zwar angenehm anders als die Kollegen klang, aber weit weg von den metallischen Musikhochburgen der West- und Ostküste komplett unter den Möglichkeiten blieb. Der Nachfolger Poetic Justice besitzt zwar eines der bescheuertsten Cover der Metal-Geschichte, schlägt aber in eine ähnliche Kerbe, auch wenn die Mega-Hymne im Stil von ‚All’s Fair In Love And War‘ fehlt. Mit dem 1993 erschienen Album Psychoschizophrenia ist dann der Schwenk zur reinrassigen Metalband vollzogen. Die Gitarren sind tiefer gestimmt und äußerst brachial, die Produktion furztrocken und die Frauen haben sich aus den Texten verabschiedet, dafür geht es deutlich düsterer zur Sache. Aber die Melodien stimmen weiterhin, so dass ich das Album auf einer Stufe mit Love + War sehe. Die Veröffentlichungen seitdem braucht man dann nicht mehr wirklich, weil Bandchef Blaze inzwischen etwas das Gespür für die ganz großen Melodien verloren hat.

Wenigstens durfte ich 2004 auf dem Bang Your Head Festival in Balingen die letzte Show mit Original-Sänger Ron Taylor erleben. Obwohl der Auftritt sehr früh am Nachmittag stattfand, waren die Fanreaktionen bei Liedern wie ‚The World Stopped Turning‘, ‚Crucified‘, ‚Deepfreeze‘, ‚Letters In The Rain‘, ‚Mercy‘ und natürlich ganz besonders bei ‚All’s Fair In Love And War‘ geradezu euphorisch. Zumindest soweit ich das damals zusammen mit meiner Frau direkt aus der ersten Reihe vor der Bühne feststellen konnte!

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