ECLIPSE – Megalomanium

Label
Frontiers
Erscheinungsdatum
01.09.2023
Tracklist
1. The Hardest Part Is Losing You
2. Got It!
3. Anthem
4. Children Of The Night
5. Hearts Collide
6. I Don't Get It
7. The Broken
8. So Long,Farewell, Goodbye
9. High Road
10. One Step Closer To You
11. Forgiven
Line-Up
Erik Martensson - Vocals
Magnus Henriksson - Guitars
Philip Crusner - Drums
Victor Crusner - Bass
Unsere Wertung
77
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Bereits im Vorfeld zur Veröffentlichung des neuen Albums der schwedischen Melodicrock-Institution ECLIPSE kündigte Bandleader Erik Martensson eine leichte, stilistische Kurskorrektur an. Sinngemäß hieß es, man wolle zwar den inzwischen etablierten Bandsound beibehalten – sprich eingängige Refrains gepaart mit ebenso leicht zugänglichen Meldodien – sich aber auch bewusst und verstärkt über die Genregrenzen hinaus orientieren, um sich auch modernen Einflüssen gegenüber offen zu zeigen.

Bei solchen Aussagen melden sich bei mir immer direkt die Alarmglocken, haben sie doch in der Vergangenheit in den allerseltensten Fällen zu einem positiven Ergebnis geführt. Beschäftigt man sich mit dem Opener ‚The Hardest Part Is Losing You‘ mal etwas genauer, so scheinen die Bedenken zunächst unbegründet.

Der Song tönt absolut bandtypisch, den Refrain kann man sofort mitsingen, die Gitarrenarbeit kommt sowohl virtuos als auch nachvollziehbar aus den Boxen und Martenssons Vocals tönen hochmelodisch, ohne ins kitschige abzudriften. Dass der instrumentale Teil zuweilen an DARE erinnert, dürfte dem geneigten Fan weder neu sein noch sonderlich überraschen.

Die aktuelle Single ‚Got It!‘ hingegen kommt völlig chaotisch, mitunter gar ruppig und mit einem sich konstant und unangenehm wiederholenden Refrain daher. Von einer gemäßigten Punkband mit kommerziellen Ambitionen erwartbar, von ECLIPSE jedoch absolut unpassend – sowohl in Bezug auf die Attitüde als auch in der Umsetzung.

Ähnlich verhält es sich mit ‚I Don‘t Get It‘. Zwar fehlt hier vergleichsweise der Punkbezug, aber elektronische Hintergrundspielereien und der erneut zu aufdringliche Hauptpart stehen der Band so gar nicht zu Gesicht. ‚The Broken‘ erinnert zu Beginn in Sachen Instrumentierung und Vocaleinsatz gar an GREEN DAY zu ihrer Hochphase.

‚Anthem‘ mit seinem zigfach gedoppelten Refrain zeigt sich gewohnt eingängig, wenn auch etwas zu schlagerartig. Weniger wäre hier durchaus mehr gewesen. Gottlob bekommen die Schweden mit dem gemäßigten, schleppenden ‚Children Of The Night‘ oder den tollen Midtempotracks ‚Hearts Collide‘, ‚Forgive‘ (einmal mehr mit starkem Refrain) und ‚One Step Closer‘ dann doch noch die Kurve. Im Grundsound zwar deutlich modernisiert, glänzen die Songs mit toller Gitarrenarbeit und dürften sich binnen kürzester Zeit als künftige Liveklassiker etablieren.

Ihr merkt schon, Megalomanium entpuppt sich als durchaus zweischneidiges Schwert. Wer seinen Meldodicrock gerne modern und offen gegenüber anderen Stilrichtungen mag, dem sei die Scheibe durchaus empfohlen. All jenen, die jedoch die Bandklassiker Armageddonize oder Monumentum zu schätzen wissen, sollten dringend vor dem Erwerb den ein oder andere Probedurchlauf in Betracht ziehen.