SHY

Platz 105

SHY

Excess All Areas
1987
612 Punkte
My Score 90%
Community Score 0.0%

Reviewed by:

1. Break Down the Walls 5:04
2. Emergency 3:35
3. Young Heart 3:55
4. Just Love Me 3:58
5. Can’t Fight the Nights 3:59
6. Under Fire 4:14
7. Devil Woman 3:32
8. Talk to Me 3:51
9. When the Love Is Over 4:22
10. Telephone 4:14

Laufzeit: 40:59

Pat Mckenna keyboards
Roy Stephen Davis bass
Tony Mills vocals
Alan Kelly drums
Steve Harris guitar

Datum: 16.04.1987, Tatort: Kölner Sporthalle.

Gary Moore hatte gerade sein Meisterwerk Wild Frontier veröffentlicht und präsentierte sich livehaftig in der legendären Kölner Sporthalle. Selbstredend ein absoluter Pflichttermin für den Rezensenten, wenn auch der Abend völlig anders verlief als vorher gedacht. Schuld daran war eine englische Band namens SHY, die am Neujahrstag 1987 ihr Album Excess All Areas veröffentlichten und Gary Moore auf dessen Europatour supporteten.

Als die Mannen um Gitarrist Steve Harris und Sänger Tony Mills die Bühne betraten, gab es kein Halten mehr. Was für eine Energie, was für eine Spielfreude und vor allen Dingen: was für großartige Songs! Das war formvollendeter Hardrock der absoluten Spitzenklasse. Und so kam es wie es kommen musste: Direkt am Tag nach dem Gig (im Übrigen: Gary Moore war auch ganz nett…) in den örtlichen Plattenladen gepilgert, um die Scheibe zu verhaften. Eine Entscheidung, die ich bis heute nicht bereut habe.

Produziert von Neil Kernon, der sich seine Lorbeeren bereits mit solch unterschiedlichen Acts wie QUEENSRYCHE, DOKKEN oder später NILE verdient hatte, irritierte mich Excess All Areas anfangs jedoch etwas. Im Vergleich zur energiegeladenen Livepräsentation präsentierte sich der Bandsound im Studio deutlich zurückhaltender und geschliffener, was aufgrund der hardrockigen Herangehensweise in der Livesituation nicht unbedingt zu erwarten war.

Der Qualität des Materials tat dies jedoch keinerlei Abbruch.10 Songs (inklusive einer Coverversion von Cliff Richards ‘Devil Woman’) – 10 absolute Hits in der Schnittmenge von melodischem Hardrock und kräftigem AOR. Getragen von Tony Mills` kraftvoller, ungewöhnlich hoher Stimme, hangelte man sich knapp über 41 Minuten von einem Highlight zum nächsten. ‘Can`t Fight The Nights’, ‘Telephone’ und ‘Emergency’ mit ihren unwiderstehlichen Refrains, das von Don Dokken mitverfasste und lässig groovende ‘Break Down The Walls’, das gefühlvolle ‘When The Love Is Over’ oder das an DEF LEPPARD zu Hysteria Zeiten erinnernde ‘Under Fire’, alles mit viel Liebe zum Detail komponierte sowie herausragend instrumentierte Songs, die auch heute noch allerhöchsten Ansprüchen gerecht werden.

Hervorzuheben ist hier, neben dem sehr banddienlichen und dennoch filigran vorgetragenen Gitarrenspiel von Sechssaiter Steve Harris, der leider 2011 an den Folgen einer Krebserkrankung verstarb, die Gesangsleistung von Tony Mills. Sicher ist die hohe Stimme nicht jedermanns Sache, Mills versteht es aber jederzeit sein Organ so einzusetzen, dass die Stimmlage zu keiner Zeit als nervig wahrgenommen wird. Eher im Gegenteil: Wenn beispielsweise im Refrain von ‘When The Love Is Over’ die Vocals in ungeahnte Höhen steigen, dann passt das so perfekt zur Stimmung des Tracks, dass es einem schlichtweg egal ist, dass sich sowas in 95% der Fälle einfach nur grausam anhört.

Dem Album selbst war eher bescheidener Erfolg beschieden, lediglich eine Top 75 Platzierung in den britischen Albumcharts konnte man verbuchen. Die Band beeinflusste dies in bewundernswerter Weise jedoch nicht, veröffentlichte sie doch in wechselnder Besetzung bis einschließlich 2011 weiterhin stoisch gute bis hochklassige Alben. Hier sei besonders Sunset And Vine von 2005 als Empfehlung ausgesprochen. Neben seinen Aktivitäten bei SHY und einem kurzzeitigen Engagement bei TNT, veröffentlichte Tony Mills ebenfalls zahlreiche gutklassige Soloalben, bevor auch er 2019 an einer Krebserkrankung mit nur 57 Jahren tragisch verstarb.

Was bleibt ist eine Band, die trotz ihrer Qualitäten nie die ihr gebührende Aufmerksamkeit erlangt und mit Excess All Areas einen absoluten Monolith des Genres erschaffen hat. Trotz aller Tragik, die SHY durch ihre langjährige Geschichte der verpassten Chancen und unvorhergesehenen Todesfälle immer wieder heimgesucht hat, ist das mehr, als so manch selbsternannte Szenegröße je erreichen wird.

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